Anmerkungen zur Werktechnik

Zu Aufbau und Werktechnik der Stuckaturen oberhalb vom Hauptgesims

Die Technik Antonio Bossis, der 1735 bis 1741 die künstlerischen Stuckarbeiten der Hofkirche weitgehend entwarf und mit seinen Mitarbeitern ausführte (siehe: „Würdigung“ in: Bau- und Kunstgeschichte - künstlerische Ausgestaltung), ist zumindest an seinen Würzburger Arbeiten noch unzureichend erforscht. Zwar wurden im Weißen Saal, im Haupttreppenhaus und im Kaisersaal der Residenz im Zusammenhang mit den jüngsten Restaurierungen zahlreiche Beobachtungen gemacht, doch stehen werktechnische Analysen seiner frühen Würzburger Arbeiten (Schönbornkapelle im Dom, Hofkirche, Kaiserappartements und Gartensaal der Residenz) noch aus.  Hier erhoffen wir uns im Rahmen der laufenden Restaurierung weitere Erkenntnisse.

Bossis Skulpturen und ornamentalen Wandverzierungen bestehen normalerweise aus mehreren Stuckschichten, die je nach Größe oder Exposition mit Holz, Eisendraht oder Papier stabilisiert sind. Geschmiedete Maueranker sorgen für eine feste Verbindung zur Raumschale der Hofkirche.  Die Stuckmasse besteht aus einem Gemisch von Gips, Kalk, Sand und mitunter auch anderen Zuschlagstoffen (Ziegelmehl oder –splitt, Marmormehl, Tierhaare, Holzkohle etc.). Die obere Schicht ist nur wenige mm stark und enthält überwiegend feinteilige Zuschlagstoffe, was eine Glättung erleichtert. Über der Glättschicht ist die Fassung als Vergoldung, Polierweiß oder Marmorierung aufgebracht. Erst unterhalb der oberen Wandzone bzw. mit dem Hauptgesims wird auch Stuckmarmor, eine Imitationstechnik, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine Blütezeit hatte, in die Raumgestaltung der Hofkirche wirkungsvoll einbezogen. 

Zurück zu Bossis Werktechnik. Man unterscheidet (den oben kurz beschriebenen) Antragstuck vom Gußstuck, der eine Vorfertigung bestimmter Dekorationsteile ermöglicht. Meistens sind es Ornamente, etwa Rosetten oder Blüten, mitunter auch Gesichter von Putten oder relativ leicht (nach Festwerden der Gipsstuckmasse) aus einer Leimform zu lösende Details, die mit einem integrierten Draht an der Raumschale befestigt werden können oder in eine größere Gestaltung aus Antragstuck einbezogen werden.

Zu Aufbau und Werktechnik der Gemälde in den Gewölben

Die Gemälde in den Gewölben werden zwar oft als Fresken bezeichnet, tatsächlich handelt es sich um Secco-Malereien. Dies ergaben erste Untersuchungen in der Ostkuppel im Jahre 2005 durch die restauratorische Fachbauleitung (Armin Schmickl). Johann Rudolph Byss, der 1735/36 mit seinen Gehilfen Anton Joseph Högler und Johann Thalhofer die drei Kuppeln und vier Zwickelfelder ausmalte, war bereits 75 Jahre alt und wird vermutlich nicht mehr die Arbeitskraft und Arbeitsgeschwindigkeit besessen haben, die eine echte Freskotechnik zwingend erfordert.

Trotzdem entstanden wunderbare Gemälde, die auf einer geglätteten gipshaltigen Oberfläche in einer Temperatechnik ausgeführt sind. Die aktuellen restauratorischen Untersuchungen unter der Mittelkuppel haben hier bereits einige interessante Erkenntnisse gebracht. So gibt es Hinweise auf eine Vorzeichnung aus rötlicher Farbe auf dem Unterputz sowie Tagwerksgrenzen. Über die Auswertung der Befunde werden in den Monatsberichten der Rubrik Aktuell zu gegebener Zeit weitere Details veröffentlicht.