Salzschäden der Wandgemälde unterhalb der Mittelkuppel
Einsatz mineralischer Kompressen zur Reduzierung der Sulfatsalze
Im Focus der Gemälderestaurierung standen bislang vor allem die Gewölbe der Mittel-, Ost- und Westkuppel (vgl. Aktuell-Beitrag vom Dezember 2010). Doch auch in den Pendentifs (Hängezwickel) unterhalb der Mittelkuppel sowie in den seitlichen Zwickelfeldern gibt es Malerei von Rudolf Byss, die jedoch ähnliche Überfassungen durch die Nachkriegsrestaurierung um 1960 erfuhren.
Durch Wassereintrag aus dem Dachraum besonders stark beschädigt ist die Darstellung des Engels im südöstlichen Pendentif. Ähnlich der Schäden in der Stucksubstanz haben sich oberflächennah Magnesiumsulfate angereichert, die durch Auskristallisation und klimabedingte Phasenwechsel (Epsomit - Hexahydrit) zu Abplatzungen der Malerei führten.

Um eine gewisse Dauerhaftigkeit der Gemäldereste und Retuschen zu bewirken, müssen die in den oberflächennahen Schichten angereicherten Schadsalze mithilfe spezieller Kompressen, die aus einem sandartigen Gemisch aus Kristallquarzsand ("Geba-Sand"), Poraver (Blähglasgranulat) und Sepiolith ("Meerschaum") bestehen, reduziert werden. Das Rezept für diese Kompressenmischung wurde bereits bei der Restaurierung des Tiepolofreskos im Treppenhaus der Würzburger Residenz 2005 unter der Bezeichnung „S2“ erfolgreich eingesetzt. Kompressenmischung "S2": 6 Raumteile Kristallquarzsand (0,1 - 0,3 mm); 3 Raumteile Poraver (0,1 - 0,3 mm); 1 Raumteil Sepiolith; destilliertes Wasser.

Das Gemisch wird mit destilliertem Wasser angesetzt und im kaum feuchten Zustand („handfeucht“) mittels Metallspatel wie Fischschuppen portionsweise Lage für Lage aufgetragen. Um die Malschicht bzw. die Gemäldefragmente nicht zu beschädigen, wird eine dünne Schicht Japanpapier vorher mit einer hoch verdünnten Methylzellulose aufgeklebt. Auf diese Schutzschicht können die Sandportionen verlustfrei für das Gemälde gespachtelt werden. Allerdings behindert die Papierlage den Kapillarkontakt und damit die Effizienz der Maßnahme etwas.
Die in der Kompresse angereicherten Schadsalze (Sulfate) bewirken eine Verfestigung des sandartigen Materials – je fester, desto mehr Salz ist enthalten bzw. wurde extrahiert. Um eine effektive Reduzierung zu erreichen, sind bis zu fünf Durchgänge sinnvoll. Abhängig vom Salzgehalt und der Restfeuchte können die Kompressen ein bis drei Tage nach dem Auftragen wieder abgenommen werden. Wegen möglicher silikathaltiger Staubentwicklung ist das Tragen einer Filtermaske notwendig.

Wie bereits erwähnt, ist die Stabilität der Gemälde bzw. Malschichtfragmente unter anderem von den Aktivitäten in der Putzschicht befindlicher Salze abhängig. Bei Sinken der relativen Raumluftfeuchte unter Werte von 40 bis 45 % infolge Öffnen von Türen und Fenstern bei trockener Außenluft, kann es zu sogenannten Phasenwechseln, verbunden mit Hydratations- und Dehydratationseffekten (bzw. Auskristallisationen) kommen. Entstehenden Kristallwechseldrücken sind keine Stuck- oder Putzsubstanzen, schon gar nicht aufliegende Malschichten auf Dauer gewachsen. Schollenbildungen und Abfallen, also Schäden und Verluste, sind die Folge.
Aus diesem Grund muss mit der Konservierung und Restaurierung auch eine Stabilisierung des Raumklimas durch Benutzung einer Klimaschleuse einhergehen. Darauf wurde in anderen Beiträgen dieser Website bereits hingewiesen. Durch Verlegen des Kircheneingangs von der Westseite (Direktzugang vom Vorplatz) in den Innenhof und Zugang durch einen zwischenzeitlich als Heizverteilerzentrale genutzten Korridor kann das Problem gelöst werden. Die notwendigen Planungsarbeiten wurden durch das Staatliche Bauamt auf den Weg gebracht. Nun gilt es, die Umsetzung baldmöglichst zu realisieren.