Polimentvergoldung
Kurzbeschreibung zur handwerklichen Technik
In Fortsetzung des letzten Aktuell-Beitrags (Oktober 2011 - Vergolden des Stucks) und auf wiederholte Nachfrage sei am Beispiel der Hofkirche kurz auf typische Vergoldertechniken eingegangen. Für die Vergoldung auf Putz gemalter Ornamente, beispielsweise im Gemälde der Ostkuppel, eignete sich die Mordantvergoldung während bei metallischen oder steinernen Trägern (etwa dem Maskaron nebst umgebender Reliefzier auf dem Mittelstück der östlichen Emporenbrüstung) eine Ölvergoldung aufgelegt wurde. Die Polimentvergoldung ist die aufwändigste, aber auch edelste Vergoldertechnik, da ihr Glanz und ihre Differenziertheit mit keiner anderen Methode erreicht werden kann. Sie ist jedoch nur für den Innenraum geeignet, da insbesondere die notwendigen Grundierungsschichten wasserempfindlich reagieren. Skulpturen, Bilderrahmen oder Möbel wurden ganz oder teilweise polimentvergoldet. Doch nicht nur für Trägermaterialien aus Holz, sondern auch für stuckplastische Zierteile einer Raumschale, wie sie in der Hofkirche zahlreich vorhanden sind, wurde diese Vergoldertechnik angewandt.
Der Aufbau der Polimentvergoldung lässt sich vereinfacht so beschreiben: Die Trägersubstanz, also der restaurierte oder rekonstruierte Stuck, wird mit mehreren Kreide-Leim-Schichten versehen. Mischungsverhältnisse, Viskositäten, Zwischenschliffe und anderes mehr gilt es zu beachten. Trotz hohem Qualitätsanspuch an die Restauratoren bzw. an die Vergolder verlangt die Oberfläche der Stuckornamentik in der Hofkirche nicht die Präzision und Feinheit, wie wir sie beispielsweise bei Grundierungen eines mittelalterlichen Tafelgemäldes oder eines barocken Bilderrahmens (in dessen Kreidegrund häufig Strukturen in Form von Ritzungen oder Punzierungen eingearbeitet wurden) antreffen.

Abb.1: rekonstruierte Blattspitze aus Stuckmasse mit schichtenweise behandelter Grundierung für die Polimentvergoldung: Kreidegrund mit Leimlösche - rötlich brauner Bolusanstrich - Blattgold (teilweise poliert)
Nachdem der Kreidegrund bearbeitet und geschliffen ist, wird er mit einer Leimlösche (Glutinleim) stabilisiert und abgesperrt. Nun folgt der Aufstrich des Poliments, das der Technik ihren Namen gab. Es handelt sich um ein tonig-fettiges Material, auch Bolus genannt, das als Erdsubstanz in rötlichen, aber auch grau-weißlichen bis bläulichen Varianten gewonnen und feinst gemahlen wird. Als wässriger Aufstrich bildet es einen sehr guten Haftgrund und schafft durch seine Tönung eine warme oder eher kühle Wirkung des Blattgoldes. Doch auch die lediglich ein acht-bis-zehntausendstel Millimeter dünne Metallfolie kann je nach Art der Goldlegierung etwas rötlich bis gelblich aussehen. Auf einem flachen, festen Wildlederkissen werden die Goldblättchen zugeschnitten und in einem besonderen Verfahren auf die alkoholbenetzte Bolusfläche „angeschossen“. Dabei wird mit einem kammartigen Flachpinsel (Abb.2) das Gold, das durch elektrostatische Aufladung am Pinsel haftet, dem Träger aufgelegt.

Abb.2: "Anschiessen" des Blattgoldes auf dem vorbereiteten Stuck
Durch behutsames Antupfen mit einem weichen Rundpinsel wird danach die hauchdünne Goldfolie auch in den Vertiefungen der Stuckornamente platziert. Nun kann der Poliervorgang beginnen, wobei lediglich die Bereiche behandelt werden, die den Hochglanz erfordern. Das sind beispielsweise besondere heraldische Attribute, Rahmenprofile oder Blattspitzen. Der spezielle Reiz der Polimentvergoldung liegt ja gerade in dem Wechselspiel zwischen Glanz- und Mattvergoldung und damit in einer subtilen Gestaltungsmöglichkeit, die nur diese Technik eröffnet.
Die Instrumente des Vergolders (Messer, Pinsel, „Anschiesser“, Poliersteine etc.) sind Spezialwerkzeuge, die im "Restauratorenbesteck" nicht fehlen dürfen. Eine reiche Palette von Formen und Größen etwa der Pinsel und Poliersteine, aber auch der Metallarten und Legierungen sowie verschiedener Bindemittel und Farblacke ermöglicht das individuelle Anpassen an die geforderte Vergoldungsart, an Farbnuance, Glanzgrad oder weiterführende Lüsterungen (pigmentierte Überzüge) der Goldoberflächen bzw. Metalliesierungen.