Kuppelgemälde fleckig und zu dunkel
Gewölbemalerei aufhellen
Bei der Neufassung verlorener Partien im Rahmen der Restaurierung der Hofkirche 1958-62 wurden die Gemälde besonders in den Himmelsdarstellungen der Mittel- und Westkuppel tendenziell zu dunkel rekonstruiert und Reste der Malerei von Rudolf Byss (1735/36) großzügig überfasst. Obwohl sich der damals beauftragte Kunstmaler Karl Körner an den Schwarzweißfotos der Vorkriegszeit und an den erhaltenen Malereifragmenten orientierte, entspricht die Neufassung um 1960 in figürlichen Details keineswegs der künstlerischer Qualität des Originals.
Lockerungen und Abplatzungen der Farbschichten bereits in den 1970er und 1980er Jahren führten im Bereich der Westkuppel (über der Orgelempore) zu „Reparaturmaßnahmen“ die sich in Gestalt von Kratzspuren und Überpinselungen (offenbar aus größerer Entfernung mangels geeigneter Gerüste) erhalten haben. An erneut abgeplatzten Stellen erkennt man die ursprüngliche Helligkeit der Malerei.
Wie die entnommenen Proben und deren mikroskopische Analysen (Fotoaufnahmen der Mikroschliffe) belegen, handelt es sich bei den Überfassungen um zwei bis vier Schichten, die als Graubraunfassung mit „bunter Pigmentmischung und bindemittelreicher Kontaktfläche zum Untergrund“ bezeichnet wird (Labor Drewello&Weißmann 15.03.2011).
Im Restaurierungskonzept wurde die Beibehaltung der Fassung von Karl Körner vorgesehen, da eine Rückführung in die Richtung des 18.Jahrhundert-zustands (infolge der erheblichen Kriegs- bzw. Nachkriegsverluste) unmöglich ist. Trotzdem besteht ein Unbehagen, wenn wir uns vorstellen, dass im Wand- und Stuckbereich die Restaurierungsergebnisse der Phase 1958-62 aus konservatorischen Gründen partiell beseitigt werden mussten und im Bereich der Gewölbemalerei die gedunkelten Himmelspartien aufwendig erhalten werden sollen.

Abbildung: Die relativ dunkel gehaltene Neufassung von etwa 1960 ist vor allem im Mittelbereich der Westkuppel instabil und fleckig. Eine Festigung und Retusche wäre unverhältnismäßig aufwändig.
Für die Restaurierung der Gewölbemalerei stellt sich angesichts der instabilen und optisch unbefriedigenden Überfassungen die Frage, ob deren Beseitigung entgegen den bisherigen Vorgaben nicht der sinnvollere Weg ist. Materialbedingte Spannungen zwischen den unteren und oberen Schichten würden über kurz oder lang wieder zu Abplatzungen führen. Wie Freilegungsmuster belegen, ist eine Abnahme der Überfassungen im Bereich des Himmels mechanisch problemlos möglich.

Abbildung: Partiell lösen sich die Fassung und spätere Reparaturüberstriche ab. Darunter kommt der helle Putzträger mit wenigen Gemälderesten des 18. Jahrhunderts zum Vorschein.
Im Randbereich der Kuppelgemälde sind die figürlichen Darstellungen Körners allerdings stabil und als Teilersatz verlorener Originalmalerei zu akzeptieren. Die entscheidende Frage ist nun, ob eine (nach Abnahme der „Dunkelfassung“) behutsam retuschierte und dadurch aufgehellte Himmelszone mit dem relativ dunklen Bestand in den Randzonen der Mittel- und Westkuppel harmoniert. Hier sind demnächst entsprechende Arbeitsmuster anzulegen.