Stuckrestaurierung und Stuckrekonstruktion

Das Problem der Armierungskorrosion

14.06.2011 

- Vorige Meldung

 - Nächste Meldung

 - Übersicht

 - Zurück


Wiederholt wurde hier über die starken Salzschäden, deren Ursachen sowie die Restaurierungs- und Ersatzmaßnahmen berichtet. Vor dem Abschluss dieser wichtigen Maßnahmen sei erneut auf die Problematik kurz eingegangen.

Abb.1: vergoldetes Stuckornament, das – obwohl um 1960 bereits saniert - infolge von Korrosion der Drahtarmierung und Salzaktivitäten zerbrach und nach Entfernung von Rost und Schadsalz rekonstruiert wird.

Zur Befestigung und Stabilisierung hatten die Stuckateure Antonio Bossis in die Trägersubstanz der Stuckmasse 1 – 2 mm starke Eisendrähte eingefügt. Feuchtigkeit bzw. die Bildung des leicht löslichen Magnesiumsulfats führten zu Volumenvergrößerungen, Rissen und Bewehrungskorrosion. Gipshaltige Reparaturmörtel und die Einbringung z. T. kunstharzhaltiger Absperr- und Festigungsmittel waren mitverantwortlich für die starken Schäden und Verluste.

Abb.2: Detail von Abb.1 nach Abnahme des gebrochenen Oberteils und einer ersten Vorreinigung und Entsalzung der Stuckmasse.

Ein sorgfältiges Abwägen zwischen Erhalt und Ersatz bezog auch die korrodierten Eisendrähte ein. Meist stellte nach entsprechender Reinigung eine Umhüllung mit dem hoch basischen Kalkstuck eine dauerhafte Lösung dar. War Ersatz notwendig, wurde mit artgleichem Draht (gezogener Eisendraht mit vergleichbarem Mangangehalt) gearbeitet, da Kupfer-, Messing- oder Edelstahldrähte zu negativen Reaktionen der Altsubstanz führen können. Auch wurde auf korrosionshindernde Schutzaufträge („Sulfatex“, mikrokristalline Wachse od. ä.) verzichtet.

Weitgehendes Entfernen von Magnesiumsulfat bzw. dessen Immunisierung (Bariumhydroxid-methode) sowie die künftige Vermeidung von Durchfeuchtungen und raumklimatischen Schwankungen sind die konservatorisch – restauratorischen Vorgaben zum dauerhaften Erhalt der wieder hergestellten Stucksubstanz.