Restaurierung der Oratorien
Reparatur und Retusche der geschnitzten Ornamente und Rücklagen
Die seitlich vor dem Altarbereich in den Raum einschwingenden Oratorien ermöglichten dem Fürstbischof oder hochgestellten Persönlichkeiten in einem abgeschiedenen kleinen Gebetsraum im Obergeschoss dem Gottesdienst der Hofkirche zu folgen. Die reich mit vergoldetem Schnitzwerk verzierten Gehäuse bestehen weitgehend aus Holz und ruhen wie Balkone auf Konsolplatten aus Naturstein. Der Fußboden ist parkettiert und somit für den Benutzer weniger kühl als der übliche Steinbelag.

Abb.1: Balthasar Neumann, Entwurfszeichnung von 1736 für ein Oratorium der Hofkirche
Abgesehen von den figürlichen und ornamentalen Verzierungen ist die Gesamtkonstruktion der Oratorien mit den relativ großen Schiebefenstern bemerkenswert. So interessant eine genaue Untersuchung der konstruktiven Details wäre, war sie im Zusammenhang mit der Restaurierung doch nur bedingt mittels Endoskop möglich. Dabei wurden größere Fugen oder Hohlräume durch eine flexible Minikamera auf Abnormitäten abgesucht. Eingriffe in die Originalsubstanz, etwa durch Öffnen der Verkleidungen und Fenstermechanismen, sind in der vorhandenen Situation nur zu rechtfertigen, wenn tatsächlich konservatorische Notwendigkeiten dies erfordern. Das war bei der Aufnahme des Bodenbelags der Fall, da etliche Hölzer aufgequollen und verzogen waren. Dabei konnte der tragende Unterbau (mit Eisenklammern fest verankerte Natursteinplatten) dokumentiert werden.

Abb.2: Deckel des südlichen Oratoriums mit zeitweise abgenommener Ornamentik; links ein kleines Endoskop zur Untersuchung von Hohlräumen
Durch Feuchtigkeit waren nicht nur der Fußboden des südlichen Oratoriums, sondern auch Bereiche der Weißfassungen und Vergoldungen beschädigt. Reinigung und Festigung sowie wenige Retuschen über starken Verfleckungen der weißen Fondflächen, zudem Reparaturen an gebrochenen Ornamentstücken werden durchgeführt. Auch Risse und Hohlstellen an den Stuckreliefs der geschwungenen Decken werden untersucht und gegebenenfalls restauratorisch behandelt. Das Auskleiden bzw. Schließen von Schwundrissen in den weißen Füllungsfeldern erscheint angesichts des (aus der Entfernung des Normalbesuchers der Hofkiche) kaum auffallenden Schadbildes nicht erforderlich.