Rekonstruktion aufgemalter Marmorierung und Wandfassung im Bereich der Fensterlaibungen und Stichkappenbögen

Bemusterung wurde abgeschlossen - jetzt wird gemalt

26.08.2011 

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Beim letzten Jourfixe am 23. August wurden Arbeitsmuster der Marmorimitation im Gewölbebereich vorgestellt und begutachtet (Abb.1), um als Vorlagen für die Rekonstruktion von der Fachbauleitung und der Fachaufsicht freigegeben zu werden. Dieser Prozedur waren entsprechende Untersuchungen und Proben vorausgegangen (vgl. Aktuell-Beitrag vom Oktober 2010).

Fast alle der um 1960 aufgebrachten Marmorierungen und Fondfassungen musste aus verschiedenen Gründen abgenommen werden. Zu dunkel, zu grob oder im Duktus dem Stuckmarmor unterhalb des Hauptgesimses nicht adäquat, war die Nachkriegsfassung auch konservatorisch bedenklich. Kunstharzgebundene Sperranstriche und kaum zu identifizierende Festigungsmittel hatten der Stucksubstanz geschadet und erneut Salzaktivitäten und Schäden eher verstärkt als verhindert.

Abb.1: Verschiedene Arbeitsmuster der Marmorimitation und der monochromen Fondflächen. 

Mit der Beseitigung der Fassung des Wiederaufbaus kamen Reste des Originals aus dem 18. Jahrhundert zum Vorschein (Abb.2). Sie dienten als Hinweise auf die material- und werktechnischen, aber auch auf die farblichen und strukturellen Eigenschaften der zu rekonstruierenden Marmorierung und Fondfassung.

Abb.2: Reste originaler Marmorimitation des 18. Jahrhunderts unter der abgenommenen Fassung von 1960.

Reststücke originaler Marmorierung werden besonders sorgfältig behandelt und nach Möglichkeit in die neu zu schaffende Fassung als „Primärdokumente“ integriert. Bei den meisten Fundstücken handelt es sich jedoch um stark fragmentarische Details, die nach entsprechender Kartierung sinnvollerweise wieder überfasst werden. Eine aufwendige Retusche und Einbezierung in die Rekonstruktion der Imitationsmalerei wäre unverhältnismäßig aufwendig und im vorhandenen Budget der Baumaßnahme nicht zu realisieren.

Abb.3: Die Stuckprofile der Fenster- und Stichkappenbögen (oberer Bildabschnitt) werden in verschiedenen Arbeitsschritten erneut als Marmorimitation gefasst bzw. aufgemalt (Zwischenzustand).

In ihrer Binnenzeichnung, Tönung, Feinheit, Helligkeit und in ihrem Glanz sollen die Bögen künftig den Pilastern gleichen, auf denen das Gesims ruht. Während die Pilaster und das Gesims aufwendig aus poliertem Stuckmarmor bestehen, kommt hier gewissermaßen eine Sparversion zum Einsatz, eine Temperamalerei in verschiedenen Untermalungen und Lasurschichten. Mit dieser völlig anderen Werktechnik (Tempera) optisch das Gleiche (Stuckmarmor) zu erreichen, ist eine besondere Herausforderung, der sich die Restauratoren der Hofkirche zu stellen haben.