Voruntersuchungen und Dokumentationen

Seit letztem Monat arbeiten Restauratoren auf den Gerüsten der Hofkirche

03.03.2010 

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Als Auftakt unserer monatlichen Kurzberichte zur aktuellen Restaurierung der Hofkirche sei etwas über die bereits laufenden Voruntersuchungen und Dokumentationen gesagt:

Eine gründliche Untersuchung ist – ähnlich wie in der Medizin – der erste Behandlungsschritt und ein wesentlicher Bestandteil einer zeitgemäßen Restaurierung und Konservierung. Hinzu kommt die Auswertung von Akten und bildlichen Darstellungen, die Auskunft über frühere Eingriffe bzw. Restaurierungen geben können. Diese Anamnese und die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen liefern die notwendigen Informationen zur Vorgabe spezieller Konservierungs- und Restaurierungsmethoden und Materialien.

Das Fehlen exakter Angaben zu Art, Menge und Verteilung von Festigungsstoffen sowie von genauen Lokalisierungen (Kartierungen) früherer Maßnahmen, speziell der Nachkriegsrestaurierung von 1959 bis1962 erschwert die Arbeiten an den Gemälden und Stuckierungen der Raumschale erheblich und erfordert nachträglich einen hohen analytischen Aufwand. Immerhin gibt der Restaurator Karl Körner in einem Fachaufsatz („Zur Instandsetzung der Würzburger Hofkirche“, in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 1962) folgende Hinweise:

„Die pastose, aber völlig pulverisierte Malschicht lag über einer dünnen, aquarellartigen Untermalung und war offensichtlich ohne Bindemittel al secco gemalt. Eine spätere Untersuchung durch das Materialprüfungsamt der Technischen Hochschule München bestätigte diese Annahme. Das Fehlen jeglicher Bindekraft war demnach ursprünglich und nicht auf die spätere Wassereinwirkung zurückzuführen. Die Verrußung war an der Decke noch stärker als an anderen Stellen. Aus dem fetthaltigen Niederschlag zu schließen, musste als Ursache der Rußbildung im Wesentlichen die Rauchentwicklung bei früherer Kerzenbeleuchtung angenommen werden. Eine Reinigung konnte daher an diesen Stellen nur in beschränktem Maße und ohne methodische Durchführung erreicht werden. Unter anderem wurde der Umstand ausgenützt, wonach mineralische Bindemittel – Bariumhydrat, Silikatverbindungen – wohl mit den wiederum  mineralischen Farbkörpern, nicht aber mit den fetthaltigen Rußteilchen, Bindungen eingehen. Auf diese Weise gelang es, die Farbschicht an manchen Stellen zu fixieren und anschließend zu reinigen.“

So interessant sich dieser Bericht Karl Körners liest, so wenig hilft er letztlich bei der Beurteilung der Schadsituation und Findung einer entsprechenden Restaurierungstechnologie. Er enthält weder eine Lokalisierung noch exakte Beschreibungen der um 1960 in der Hofkirche eingesetzten Festigungsmittel. Probenentnahmen, naturwissenschaftliche Analysen und Arbeitsmuster sind deshalb erforderlich. Dies betrifft auch die Trägersubstanz, also den Gewölbeputz, auf dem die Malerei liegt.


Abb. 1: Kartierung von Schäden und maltechnischen Phänomenen am Gemälde der Mittelkuppel

Die während der letzten Wochen zum großen Teil bereits fertig gestellten Hohlstellen- und Risskartierungen an den Gewölbemalereien sind eine Voraussetzung für das Erkennen von Schadensmechanismen im Gewölbe und im Putzträger. Durch behutsames Abklopfen der Oberfläche können Hohlstellen auf Schadensrelevanz beurteilt werden. Dies ist allerdings nur in Bereichen fehlender oder fester Malschicht möglich. Art und Verteilung zeigen dem Restaurator, an welchen Stellen gefestigt werden muss. Die Rissbilder können wichtige Hinweise auf Spannungsverhältnisse in der Gewölbeschale liefern, was ggf. zu einer statischen Überprüfung führen muss.

Eine besonders hilfreiche Methode ist die Streiflichtbetrachtung, bei der maltechnische Phänomene, aber auch Glanzstellen von konzentriertem Festigungsmittel (z.B. Kunstharze) detektiert werden können.

Die Betrachtung der Malschicht unter UV-Licht (s. Abb. 2 u. 3) gibt Auskunft über Art und Verteilung von Retuschen früherer Restaurierungen.


Abb. 2 und 3: Mittelkuppel der Hofkirche, Malerei von Rudolph Byss mit Retuschen der Nachkriegsrestaurierung. Bei Untersuchungen unter UV-Licht konnten interessante Beobachtungen gemacht werden. So zeigt die Abbildung im Normallicht eine weibliche Person, deren Gesicht teilweise entstellend verändert wirkt, während die Aufnahme unter UV-Licht ein wunderbar gemaltes und ausdrucksstarkes Frauenporträt offenlegt.

Mit den Voruntersuchungen und Dokumentationen sind von beiden Restauratorenteams („Gewölbemalerei“ und „Wandbereiche“) nur drei bis vier Fachrestauratoren beschäftigt. Dies ist sinnvoll, um die Dokumentation möglichst einheitlich (mit gleicher „Handschrift“) zu gestalten. Gleichfalls wenige Spezialisten bereiten zielgerichtet Art und Umfang geeigneter Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen vor und testen diese (in enger Abstimmung mit der Fachbauleitung und der Fachaufsicht) an Arbeitsmustern bevor die Restaurierung „im großen Umfang“ beginnen kann.