Abnahme von Stucksubstanz des „Wiederaufbaus“

Einsatz von Zellulose-Kompressen zur Salzreduzierung

27.09.2010 

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Abb.a: Die Materialzusammensetzung und erhebliche Schwankungen der relativen Luftfeuchte führten zur oberflächennahen Anreicherung und Volumenvergrößerung von Magnesiumsulfaten. Diese zerstörten an zahlreichen Stellen die Stucksubstanz.

Die Voruntersuchungen hatten ergeben, dass zur Festigung der Stucksubstanz bei der Nachkriegsrestaurierung (1958-62) unter anderem Kunststoffe eingesetzt worden waren, die (gemäß naturwissenschaftlicher Gutachten) zur aktuellen Schadenssituation beitrugen. Die Aufplatzungen der meist vergoldeten oder marmorierten Oberflächen infolge erheblicher Anreicherungen von Magnesiumsulfaten stehen also mit dem neu aufgetragenen Material im Zusammenhang.


Abb.b: Unter den mechanisch abgenommenen Krusten und Salzausblühungen befindet sich vielfach noch die originale Stucksubstanz.

Der oft noch unter den Überfassungen erhaltene originale Stuck Antonio Bossis hat sich in erstaunlich hoher Festigkeit und Bearbeitungsqualität erhalten. Er wurde um 1960 meist nur mit einer relativ weichen Gipsmörtelschicht überzogen und neu vergoldet. Mit Abnahme dieser „Rekostruktionsschicht“ scheint einerseits der Großteil an Schadsalzen und anderer Fremdmaterialien (Kunstharze) beseitigt zu sein und andererseits die Möglichkeit zu einer stilistischen Korrektur der partiell unbefriedigenden Stuckarbeiten gegeben.

Das Leistungsverzeichnis zur Restaurierung der Stuckaturen sah deshalb die weitgehende Abnahme der damals aufgetragenen Schichten vor. Bei der restauratorischen Bearbeitung zeigten sich jedoch innerhalb des Gesamtbestandes erhebliche Unterschiede im Grad der Schäden. Dies mag primär mit der lokalen Feuchtebelastung (Löschwasser und Niederschläge 1945 bis Wiederaufbau der Dächer) bzw. Salzanreicherung zu tun haben. Aber auch der unterschiedlichen Qualitätgrad der Stuckrestaurierung um 1960 (diverse Firmen arbeiteten nach individuellem Standard und Materialeinsatz) mag mitverantwortlich für das unterschiedliche Schadbild sein, was die oben genannten Beobachtungen zum Einsatz von Kunststoffen bestätigte.


Abb.c: Nach mechanischer Abnahme der versalzten Oberflächenschicht wird versucht, mittels Arbocelkompressen eine weitere Salzreduzierung und Salzimmunisierung des Stucks zu bewirken.

Zur weiteren Reduzierung der im Stuck verbliebenen Magnesiumsulfate wurden spezielle Kompressen aus einem Zellulosematerial (Arbocel) feucht aufgetragen. Das eindringende Wasser kann die Schadsalze lösen wobei der Saugeffekt der Kompresse die Salzlösung aus dem Trägermaterial extrahieren hilft. Da der Stuckträger jedoch ebenfalls saugfähig ist, wird ein Teil der Sulfate allerdings in tiefere Schichten des Stucks "abwandern", ein unschöner Nebeneffekt, der jedoch meistens unvermeidbar ist. Ebenfalls zur Reduzierung des Schadenspotentials wurde versucht, mit einer Lösung aus Bariumhydroxid einen Umwandlungsprozess des Magnesiumsulfats in schwer lösliches Bariumsulfat zu erzielen. Aber auch diese Methode hat ihre Nachteile, da der Umwandlungsprozess nur relativ geringfügig stattfindet. Auch ist bei der Verwendung des hochalkalischen und toxischen Materials große Vorsicht erforderlich.


Abb.d: Korrodierte Drähte und Nägel aus Eisen sprengen die umhüllende Stucksubstanz auf.

Ein anderer Schadensbereich sind die Metallarmierungen der Bossistuckaturen, die als korrodierende Eisendrähte und Nägel zu Rissbildungen, Aufplatzungen und Abbrüchen geführt haben. Der 1960 auf der Altarmierung angetragene Ersatzmörtel zeigt vielfach derartige Korrosionsschäden. Hier ist ein „Rückbau“ und partieller Neuaufbau des Stucks nach entsprechender Vorbehandlung der Armierungen unvermeidlich.