Höchste Qualität der Stuckbearbeitung

Substanz und Oberflächenbearbeitung der plastischen Wandgestaltung des 18. Jahrhunderts

09.11.2010 

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Friedrich Karl von Schönborn, der Bauherr der Würzburger Residenz, hatte im Frühjahr 1735 betont, daß er an der "bestmöglichen ausziehrung nichts" wollte "ermangeln lassen" (zitiert nach Kremeier, 1999, S.172). Daß dies auch die handwerklich-künstlerische Qualität der Ausführung betraf, war selbstverständlich. Doch zeigte sich bei den Freilegungen und restauratorischen Untersuchungen der Stuckapplikationen, daß selbst unter den Gewölben, also in großer Höhe und für den Besucher der Kirche kaum wahrnehmbar, eine unglaubliche Präzision und Stabilität der Materialien vorliegt.

So bestehen die Faschen der Gewölbegurte aus fein profiliertem Stuck außerordentlicher Profilschärfe, Festigkeit und Oberflächenglätte. Hier waren italienische Stuckateure unter Leitung Antonio Bossis am Werk, von denen die deutschen Kollegen in der Bearbeitungstechnologie noch einiges lernen konnten. Aber warum dieser Aufwand an Gewölbeprofilen, die ohnehin mit einer Marmorierung überfasst wurden ? War ursprünglich an eine Weißfassung ähnlich den Untersichten der Gurte gedacht ? 


Abb.: Profilfasche bzw. Seitenansicht des Gurtbogens zwischen der Mittel- und Ostkuppel. Nach Abnahme der Marmorierung (Fassung um 1960) kam eine dichte und stark geglättete Oberfläche in der Festigkeit und Qualität von Polierweiß-gefassten Skulpturen Antonio Bossis zum Vorschein. 

Aber nicht nur die Profilfaschen, sondern auch die Fond- bzw. Hintergrundflächen der mit vergoldeter Ornamentik gezierten Wand- und Gewölbezonen wurden nicht einfach geputzt und mit einem Anstrich versehen. Ein mehrschichtiger Putz- und Fassungsaufbau besonderer Qualität entsprach dem hohen Anspruch des Fürstbischofs.