Stuckapplikationen mit Vorzeichnungen
Der Schaffensprozess von Antonio Bossi
Anknüpfend an den Kurzbericht vom Juli zum Inschriftenbefund sei auf Vorzeichnungen hingewiesen, die wahrscheinlich von Antonio Bossi stammen.
Sie verdeutlichen den Schaffensprozess des Stuckbildhauers, der auf dem geglätteten Kalkverputz mit Kohle- oder Bleistift, gelegentlich auch nur als Ritzung Linien und erste Entwurfsskizzen aufbrachte. Dass damit noch keine Ausführung verbunden war, zeigt unser Beispiel (Abb.1).

Abb.1: Nicht ausgeführter Entwurf einer Stuckapplikation über einer Fensteröffnung im südöstlichen Bereich der Hofkirche.
An anderer Stelle wurde die Vorzeichnung (wenn auch nicht exakt, so doch in der Positionierung eines Ornamentdetails) umgesetzt (Abb.2). Direkt auf die Skizze bzw. auf den Kalkputz sind vorgefertigte Stuckteile mit einem Gipsmörtel geklebt. Im Prozess des Stuckierens war die Verwendung bereits vorhandener Teile sehr hilfreich, zumal die Handwerker unter Zeitdruck standen und eine Vorfertigung durch Hilfskräfte nach Anweisung des Meisters unabhängig von der Baustelle erfolgen konnte.

Abb.2: Vergoldetes Stuckornament über einer Vorzeichnung nach Abnahme der Übertünchungen im Fondbereich.
Dass es sich tatsächlich um keinen Antragstuck, sondern um Gussstuck handelt, wird an einem heruntergefallenem Stück deutlich (Abb.3). Derartige Teile konnten durch Serienfertigung (in Leimformen als flüssige Stuckmasse gegossen und erhärtet) in hohen Stückzahlen hergestellt werden.

Abb.3: Abgefallenes Stuckdetail neben der Abbruchstelle, an der ein Klebemörtel noch auf dem Grundputz haftet.