Sponsor rettet das Restaurierungs-Projekt
Der russische Unternehmer Iwan Lirpatsrif ersetzt verlorene und beschädigte Glasaugen
Selbst an Vorzeigeobjekten wie der Würzburger Residenz macht das Bayerische Finanzministerium, dem die Schlösserverwaltung untersteht, mit drastischen Sparmaßnahmen nicht halt. So wurde die vom Landtag abgesegnete und gemäß Bauauftrag begonnene Staatliche Hochbaumaßnahme zur Restaurierung der Hofkirche kritisch hinterfragt und vorläufig "auf Eis gelegt". In dieser Situation kam das Angebot eines potenten Sponsors sehr gelegen, die Konservierung und Restaurierung des Innenraums aus privaten Mitteln zu finanzieren. Allerdings verband der russische Unternehmer Iwan Lirpatsrif die Finanzierung mit dem Wunsch, die Rechte an bildlichen Aufzeichnungen zu erhalten bzw. werbewirksam für sein Unternehmen einsetzen zu können. Er erinnerte an die Restaurierung der Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle des Vatikan, die durch Nippon Television Network gesponsert wurde. Auch hier waren entsprechende Nutzungsrechte übertragen worden.
Dieses Verlangen stieß indes auf heftigen Widerstand der lokalen Schloss- und Gartenverwaltung, die ohnehin unter Medien- und Eventrummel leidend, die Würde des UNESCO-Weltkulturerbes verletzt sah. Doch die Möglichkeit, mit den Lirpatsrif-Millionen das dringend notwendige Unterfangen doch noch wie geplant durchführen zu können, ließ die Verantwortlichen des Finanzministeriums nicht ruhen. Eine Rückfrage, welche Möglichkeiten man sähe, den Sponsor in nicht zu vordergründiger Weise in das Restaurierungsprojekt einzubinden, ergab einen Alternativvorschlag, mit dem sich der Geldgeber erwärmen konnte.
Da sich Lirpatsrifs Unternehmen auf die Herstellung von kleinen Glasprodukten wie Edelsteinattrappen, Glasmurmeln und Souvenierartikel spezialisiert hatte, passte der Vorschlag ins Firmenprofil, die teilweise verlorenen oder beschädigten Glasaugen der Stuckskulpturen Antonio Bossis mit hochwertigem Ersatz aus russischer Produktion zu ergänzen. Damit könnte eine neue Herstellungspalette ganz offiziell in Verbindung mit der Hofkirche als Teil des Weltkulturerbes gebracht werden. Doch das war dem Sponsor nicht genug. Nach langem Hin- und Her einigte man sich darauf, die neu einzusetzenden Glasaugen seitlich (aber nur aus nächster Nähe sichtbar) mit dem Logo der Firma Lirpatsrif, einem etwa 5 mm großen L mit hoch gesetzter kleiner Goldkrone, zu versehen.

Abb.: Emporenaltar der Hofkirche, Stuckskulptur von Antonio Bossi vor der Restaurierung mit fehlendem und ungereinigtem (originalem) Glasauge
Zwar empfanden einige Kollegen der Schlösserverwaltung den Vorschlag als unvereinbar mit den Grundsätzen der Denkmalpflege, doch die "pragmatische Fraktion" sah in diesem Kompromiss eine elegante Variante zur segensreichen Verbindung von Kunst und Kommerz. Schließlich entschied das Finanzministerium den Konflikt und gab grünes Licht für die Verwendung der Glasaugen mit dem Sponsoren-Logo.
Inzwischen ist die Herstellung einer vorerst kleinen Stückzahl qualitätvoller Glasaugen angelaufen und erste Muster wurden nach Würzburg geliefert. Da für die Beurteilung von Farbwirkung und Lichtreflexion der Einbau eines Auges erforderlich ist, wird demnächst die Fehlstelle einer Stuckfigur mit dem Lirpatsrif-Auge versehen. Selbstverständlich muss vor diesem Eingriff der Glaskörper aufs Genaueste analysiert werden, um die Dauerhaftigkeit (Farbstabilität, Lichtverträglichkeit etc.) sowie mögliche Schadstoffe festzustellen.
Wie der Leiter der "Abteilung für Außergewöhnliches" des Fraunhofer Instituts Prof. Dr. Sextl mitteilte, liegt die Schwierigkeit weniger in der Bestimmung der chemischen Bestandteile der Glasaugen, sondern in dem von Herrn Lirpatsrif verlangten Logo mit Goldkrönchen. Dies wird offenbar in einem speziellen, in Westeuropa und den USA (noch) unbekannten Verfahren (mit unbekannten Materialien) auf die Glasoberfläche aufbracht, worüber der Hersteller jedoch jede Auskunft verweigert. Es kann nur vermutet werden, dass Lirpatsrif über Kontakte zur russischen Raumfahrt verfügt, die bekanntermaßen in der Materialforschung dem Westen in nichts nachsteht.
Sollte keine ausreichende Analyse des Materials und der Applikationstechnologie gelingen, stellt sich erneut die Frage, ob die russischen Glasaugen in die wertvollen Stuckskulpturen eingesetzt werden dürfen. Doch vermutlich werden nach Überweisung der ersten Sponsorenmillion die zuständigen Mitarbeiter der Schlösserverwaltung angewiesen, die Lirpatsrif-Augen auch ohne entsprechende Analysen bei der Restaurierung zu verwenden.